Presse
2011/2012
Die Wanze
Ein Insektenkriminach dem gleichnamigen Buch von Paul Shipton
Deutsch von Andreas Steinhöfel
Für die Bühne bearbeitet von Karin Eppler, Daniela Merz und Gerd Ritter
"Viele filmische Elemente hatte Regisseur Torsten Krug vor der Premiere
von 'Die Wanze' in den Kammerspielen des Stadttheaters versprochen − er
hielt Wort. Mit 'Ich bin Muldoon, Wanze Muldoon', zeigt Schauspieler
Raik Singer erstmals sein Gesicht, nachdem zuvor nur seine Finger auf
dem Rand der überdimensionierten, bemalten Flasche, die das Bühnenbild
bildet, zu sehen waren.
Das Fingerspiel erinnert an ein kleines, flinkes Krabbeltier, der
Satz an Bond, James Bond. (...) Die Geschichte hat alles, was ein Krimi braucht: Verfolgungsjagden,
Observationen, Hinterlist, einen gutmütigen Helfer und eine
hilfebedürftige Schönheit. (...) Der stotternden Stubenfliege
Jake, dem leisen Helden der Geschichte − er rettet Muldoon zwei Mal das
Leben −, verleiht der Akteur mit viel Spucke und einem latenten Kratzen
am Hals einen ganz besonderen Charme. Die amtierende Ameisenkönigin stellt Singer mit großem Pathos dar,
die Wespenkönigin kann es mit schriller Stimme und Stehkragen mit jeder
bösen Hexe aufnehmen und der Mistkäfer, Inhaber von Muldoons Stammkneipe
Dixies Bar, spricht mit tiefer Stimme sächsisch vom Feinsten. Der
Schauspieler akzentuiert jede seiner 14 Rollen mit Gestik, Mimik und
Sprache. Die Zuschauer, egal ob jung oder alt, erkennen die Figuren
sofort wieder. Krug und Singer ist die Umsetzung von Paul Shiptons Roman gelungen.
Die Jungen erfreuen sich an frischem Wortwitz, Filmfans haben viel zu
lachen und die Älteren werden zum Nachdenken über
gesellschaftspolitische Themen wie Freiheit und Individualität angeregt."
Stefan Maurer, Heilbronner Stimme
"Die Bühnenversion des 'Insektenkrimis' hatte am Donnerstag in den Kammerspielen des Heilbronner Theaters Premiere, umjubelt von den jungen Besuchern, aber auch die Erwachsenen hatten ihren Spaß an der Ironie des Textes und dem respektlosen Zitieren von literarischen Vorbildern.
Muldoon ist immer für einen coolen Spruch gut – und kriegt dafür immer wieder eins übergebraten, weil die Bösen eben auch notorisch humorlos sind.
(...) Aber immer, wenn alles hoffnungslos scheint, läuft er zu großer Form auf, denn schließlich muss er nicht nur die Welt retten, sondern auch die reizende kleine Ameise Clarissa.
Zuviel Personal für die kleine Bühne, die Saskia Vollmer mit einem umgekippten zerbrochenen Becher möbliert hat? Aber nein. Regisseur Torsten Krug schickt Raik Singer als Muldoon auf die Bretter und lässt ihn auch gleich den zappeligen Jake, den sächselnden Wirt Dixie, die Ameisenkönigin, die Kakerlaken-Gang und und und verkörpern. Ein Krimi für einen einzigen – wandlungsfähigen und ungemein präsenten – Schauspieler und ein begeistertes Publikum."
Jürgen Strein, Fränkische Nachrichten
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2009/2010
Wut und Wiege (Uraufführung)
Ein Stück Revolution aus Musikvon Torsten Krug und Ensemble
"Stoff zum Träumen und Rebellieren: Überzeugendes Musiktheater mit 'Wut und Wiege' am Bremer Leibnizplatz
Revolution macht Spaß
Der Titel ist schlicht und abstrakt, das Potenzial dahinter offenbart sich jedoch beim ersten Akkord aus dem E-Bass. Thorsten zum Felde (musikal. Leitung) stimmt Robbie Williams Hymne „Let me entertain you“ an (...). Das Publikum ist elektrisiert. (...) Einmal mehr wandelt das Ensemble jenseits der Shakespeare-Pfade – und widmet sich der Musik. Ein Genre, in dem sie die Darsteller sichtlich zu Hause fühlen, so dass allein schon das lustvolle Agieren einen Blick auf die mit ihren Rollcontainern und der Garderobenstange an einen Backstagebereich erinnernde Bühne (Bühne: Heike Neugebauer) lohnt.
Eine Story im eigentlichen Sinne liefert „Wut und Wiege“ nicht. Dennoch ist der Musiktheaterabend alles andere als eine wahllose Aneinanderreihung. Die sechs Darsteller lassen sich von der Musik treiben, kleine Szenen entstehen wie aus dem Nichts und lösen sich ineinander auf. Die große, weitgefasste Klammer ist das Thema Revolution, besungen seit Jahrhunderten. Den Stoff zum Träumen und Rebellieren liefern Queen, U2, die Beatles, Marius Müller-Westernhagen oder gar Giacomo Puccini. Da streift sich der vermeintliche Spießer im Anzug beherzt das Che-Shirt über, da gerät die Chorprobe aus den Fugen und das Volkslied über den Kuckuck bietet Anlass zum Aufstand, da werden Träume vom Hochmast besungen und am Ende löst sich doch alles in einer großen, rhytmischen Show mit Queens Klassiker „The show must go on“ auf.
Regisseur Torsten Krug, Thorsten zum Felde und dem Ensemble (...) ist ein leichtfüßiger, humorvoller Abend gelungen. In kompakten 90 Minuten reisen die sechs Akteure quer durch die Musikgeschichte – und offenbaren ein erstaunliches musikalisches Potenzial. (...) So wissen die Darsteller der shakespeare company nicht nur als mimenreiche Schauspieler, sondern auch als Sänger und Musiker zu überzeugen. Mit Kinderschlagwerk, Gitarre, Akkordeon, Säge und Mundklavier wird ein musikalischer Rausch erzeugt. Oder ist es doch ein heimlicher Aufruf zur Revolution?"
Corinna Laubach, Kreiszeitung
"Theater mit viel Musik und wenig Handlung
Die Bremer Shakespeare Company zeigt, wie Utopien ins Trudeln geraten: "Wut und Wiege"
Wovon man nicht sprechen kann, davon soll man schweigen, sagt der Philosoph. Aber man könnte auch davon singen, meint die Bremer Shakespeare Company, die jetzt aus einer Handvoll Songs ein Theaterstück gebastelt hat, das fast ohne Handlung, dafür mit umso mehr Musik auskommt. Es geht um Musik und Revolution - und wie Utopien ins Trudeln geraten. "Wut und Wiege" der Titel. In geschmackvoll drapierter Unaufgeräumtheit präsentiert sich zu Beginn die Bühne am Leibnizplatz. Wir sehen das Basis-Inventar des Rock and Roll: Transportkisten für Bühnenmaterial würfeln sich zur rauchgrauen Landschaft, Traversen greifen nach der Decke, ein Kühlschrank ruht und kühlt zur Seite. Am Boden lauern Lichtrampen darauf, illumieren zu dürfen. Die Gestalten, die sich aus diesem Kuddelmuddel herausschälen, beginnen mit zeitlupenartig verlangsamtem Gesang. Es ist für den Zuschauer recht spannend, den jeweiligen Song in dessen Zergliederung zu erraten, so, wie ihn der Musiker Thorsten zum Felde arrangiert hat. Dieser steht im Hintergrund wie ein befrackter Zeremonienmeister und zupft voll leiser Höflichkeit Akkorde. Vorne singt Beate Weidenhammer den Auftakt. Mit glitzerweißem Revue-Hut ist sie bei dieser Eröffnung wahrlich keine revolutionäre Erscheinung - ganz im Gegenteil: Die große kommerzielle Rock-Pose zitiert sie mit Robbie Williams' "Let me entertain you"; ein gespenstisch leises Skelett von einem Welthit. Gegen diese Art von (Kommerz-)Pop regt sich nun allerdings Widerstand. Eine schwarze Kapuzen-Gestalt (Janina Zamani) macht sich mit einem Pflasterstein wurfbereit. Um den sich anbahnenden Konflikt zwischen autonomem Straßenkämpfer und dem Bestverdiener der Musikindustrie zu bereinigen, pfeift die Regie von Torsten Krug eilig eine weitere Popfigur herbei: Als John Lennon muss sich Markus Seuß zwischen die Fronten werfen. Denn dass "Revolution" auch ein böses Reimpaar mit "Destruction" bildet, ist seit dem entsprechenden Beatles-Song bekannt. Aus diesem szenischen Prinzip entwickelt das Ensemble im Laufe der zweistündigen Show eine Flut von manchmal spritzigen, zum Teil jedoch auch etwas kraftlos verpuffenden Szenen. Dass die Songvorlagen mit recht originellen Bebilderungen konterkariert werden, ist dabei aber stets raffiniert konzipiert. Zum Beispiel, wenn Tim D. Lee den T.-Rex Schunkler "You won't fool the Children of the Revolution" in Gestalt eines halstuchtragenden Topverdieners bringt. Oder wenn aus dem Kühlschrank heraus plötzlich Svea M. Auerbach Volkslieder singt. In solchen Momenten ist die Company dann doch - auch ohne große Worte! - für eine Überraschung gut."
Sven Garbade, Weser-Kurier
"Karikatur statt Aufstachelung
In der Shakespeare Company wurde "Wut und Wiege" uraufgeführt, ein Liederabend, der vor allem das Scheitern revolutionärer Ideen zelebriert
(...) Hier geht es nicht um eine Rebellion gegen die herrschenden Verhältnisse. Sondern um deren beinahe zwangsläufiges Scheitern. Was vom Geist des Umsturzes übrig bleibt ist Desillusionierung. In gute Unterhaltung verpackt.
In "Wut und Wiege", jetzt im Theater am Leibnizplatz uraufgeführt, erscheint die Revolution als eine Karikatur ihrer selbst. Das aber von Anfang an. (...)
Dem Ensemble rund um Regisseur Torsten Krug gelingt ein Stück, das musikalische Höhen wie Tiefen hat und in dem jeder der sechs SchauspielerInnen einzelne Glanzlichter setzen darf. Dazwischen gibt es auf der von Transportboxen, einem Kühlschrank sowie einer Kleiderstange umrahmten Bühne immer wieder gelungene szenische Ideen. (...)"
Jan Zier, taz
"Regisseur Torsten Krug und dem Ensemble gelingt ein humorvoller Abend. Die Akteure offenbaren ein erstaunliches musikalisches Potential. Tosender Applaus!"
BILD
"Man genießt (...) die Spielfreude, die Regieeinfälle und die Gesangskunst und Sangeslust der mitwirkenden KünstlerInen. (...) Es wäre (..) ungerecht, einzelne Künstler hervorzuheben. Zu loben ist die Gesamtleistung, die am Schluß mit reichhaltigem Beifall belohnt wurde. Ein gelungener 'Revolutionsliederabend' (...), der viele Fragen offen läßt und dadurch zum Nachdenken anregt. Sehr zu empfehlen."
Bremer Lehrerzeitung
"Revolution bedeutet Veränderung. Tatsächlich war das Stück 'Wut und Wiege' (...) anders. Die Musik eroberte die Bühne und begeisterte das Publikum."
Weser-Report
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Maria Stuart
Trauerspiel von Friedrich Schiller
"Parabel auf den modernen Politzirkus
Viel Beifall für Schillers Trauerspiel "Maria Stuart" am Theater Annaberg-Buchholz - Fokus liegt auf der Figur der englischen Königin
Maria wirft sich auf den Boden, um Gnade bittend. Da ist sie ganz oben auf der Treppe, die das Podium für den berühmten Schlagabtausch der englischen und schottischen Königin darstellt. Elisabeth steht in diesem Moment unter ihr. Doch die Positionen der beiden Rivalinnen wechseln immer wieder, so wie jede in diesem gnadenlosen Wort-Duell mal triumphiert, mal unterliegt. Das ist ein spannendes Spiel, die stärkste Szene des Abends.
"Maria Stuart" hatte am Sonntagabend im Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz Premiere. Und schon die Optik (Ausstattung Saskia Vollmer) legte nahe, Regisseur Torsten Krug erfüllt mit seiner Inszenierung nicht allein einen Bildungsauftrag, vielmehr macht er Schillers Klassiker zu einer Parabel auf den modernen Politzirkus. Scheinheilige Strippenzieher, schmierige Hofschranzen, intrigante Karrieristen - die Truppe im Rücken der mächtigsten Frau Englands ist so widerlich eigennützig, wie die Herrscherin in ihrem Tiefsten zerrissen ist. Und genau dieser innere Widerstreit und die Frage, was macht Macht mit dem Menschen, stehen deutlicher im Fokus des Regisseurs als Marias Schicksal.
Da ist eine Frau, die das Richtige für ihr Land tun will, ihre Herrschaft sichern muss, sich in einer Männerwelt zu behaupten versucht - der Erfolgsdruck, unter dem Elisabeth steht, ist immens. Maria Richter schwingt eine Gerte, mit der sie ihre Untergebenen ebenso straft, streichelt wie auf Distanz hält. Nur in ganz wenigen Augenblicken, wenn sie ihre Perücke abnimmt, kann sie ganz sie selbst sein. Verletzlichkeit und Ratlosigkeit scheinen da auf, doch diese Momente sind rar und kurz. Den Schein von Stärke darf sie nach außen nicht verlieren, sonst ist sie selbst verloren. Sehr intensiv bringt Maria Richter diesen Zwiespalt auf die Bühne, die kaum auszuhaltenden Zwänge, die ihr Entscheidungen als Herrscherin abverlangen, die sie als Mensch so nicht treffen möchte. Die Qual, Marias Todesurteil zu unterschreiben und sich damit Schuld aufzuladen, wird beinahe körperlich spürbar.
Elisabeth ist die eigentlich interessante Figur der Inszenierung, bei Maria Richter sehr präsent, mit zu viel Geschrei aber leider auch zu einseitig, weil sie nur wenige Nuancen bietet. Julia Gorr bleibt in dem Stück der blassere Part. Dass sie am Ende das auf falschen Berichten ihrer Gegner - die umstürzlerische Absichten unterstellen - basierende Fehlurteil annimmt, ruhend in ihrem katholischen Glauben, bleibt eine Behauptung des Textes. Als Zuschauer nimmt man daran kaum Anteil. Sven Zinkan überzeugt als leidenschaftlicher Mortimer, der die Sache Marias entschlossen vertritt, ebenso Udo Prucha als lauterer Hüter der gefangenen schottischen Königin. Tim Osten (Graf von Leicester) und Thomas Tucht (Baron von Burleigh) verkörpern rattenhaft-hintertriebene Ehrgeizlinge, die mit ihren Ränken aus dem Hintergrund die Damen vor sich hertreiben. Allein Daniel Koch erspielt seinem Staatssekretär Davison, dem Elisabeth ohne konkrete Anweisung Marias Todesurteil in die Hand drückt, glaubhafte Skrupel. Es gab viel Beifall und Bravos von den Premierengästen."
Uta Trinks, Chemnitzer Freie Presse
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Lieblingsmenschen
von Laura de Weck
"Schneller Sex und schnelle Kommunikation
Abkürzungen, Floskeln, SMS-Nachrichten und Einwortsätze: Die Kommunikation der Studenten Jule, Lilli, Sven und Darius ist so rasant wie ihr Nachtleben und so beliebig wie ihr schneller Sex.
Die Mädchen rätseln über den Plural von "Penis", die Jungs fragen sich, ob sie auch gut aussehen? In diesem Partytime-Reigen wird über Ängste und Unsicherheit locker-flockig hinweggeplappert. Nur Anna und Philip sind anders: Seit sechs Jahren ein Paar, büffelt Philip ständig fürs Medizinstudium und lässt sich nie blicken. Insgeheim bewundern alle das scheinbar spießige Pärchen.
Laura de Wecks Stück "Lieblingsmenschen" wäre so belanglos wie das sprachliche Niveau ihrer Protagonisten, würden die nicht eine Spur zu überdreht sein. So ist ihr kaum merkliches Zögern beredter als jenes stakkatohaftes SMS-Deutsch, das bei der Premiere der Tragikomödie in der Tribüne für die heftigsten Lacher sorgte. Die schnelle, dichte Inszenierung von Torsten Krug wirkt vor allem durch die Videos von Christian Schrills auf einer transparenten Leinwand sehr heutig. So werden Großstadtszenerien auf die Bühne geholt, aber auch viele Innenansichten."
Berliner Morgenpost
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2008/2009
Urfaust
von Johann Wolfgang von Goethe
"Der Teufel als Souverän
Premierenjubel für Goethes "Urfaust" im Theater Annaberg-Buchholz"
"Applaus
und Blumen. Die Geburtstagparty geht ihrem Höhepunkt entgegen.
Andächtig verharren die Gäste. Doch als Faust ans Mikrofon tritt -
Sprachlosigkeit. Dann ganz zögerlich, nach mehreren Ansätzen: "Habe
nun, ach...". Seine Zuhörer verstehen nichts, das Publikum im
Annaberger Theater schon. Wie Marcel Reich-Ranicki zur
Fernsehpreisverleihung im Oktober 2008 seinen verdatterten Huldigern
unerwartet eine gepfefferte Medienschelte um die Ohren haute, trifft es
auch die Faustgratulanten gänzlich unerwartet. Der verehrte
Wissenschaftler, die Koryphäe, das Idol - ein einziger Zweifel.
Goethes
"Urfaust" ist zurück im Erzgebirge. 1993 bereits hatte sich das
Ensemble das dramatische Fragment zur Eröffnung der Jubiläumsspielzeit
zum 100-jährigen Bestehen des Theaters ausgesucht. Premierenjubel nun
ebenso am Sonntagabend für die neue Interpretation.
Den
Osterspaziergang, nein, den gab es nicht, selbst wenn es kalendarisch
gepasst hätte. Auch viele andere Szenen, die die Geschichte im Teil 1
der "Faust"-Tragödie rund machen, hat der "Urfaust" nicht zu bieten.
Und so ist dieses Jugendwerk, das erst 55 Jahre nach Goethes Tod
uraufgeführt wurde, eine ziemlich spröde Angelegenheit, mit abrupten
Szenenwechseln. Doch Regisseur Torsten Krug setzt diesen Defiziten eine
wunderbar plastische Figurenzeichnung entgegen, und Jan Steigert hat
sich dazu eine multifunktionale Klappkulisse ausgedacht.
Zweifellos
muss man Fausts Widerpart Mephisto an erster Stelle nennen. Sven Zinkan
ist der Souverän des Abends, was vom Publikum deutlich honoriert wurde.
Wie er sein Opfer Faust umschleicht, ihn rumkriegt, seine Studierstube,
in der dieser nicht mehr als Staub aufwirbeln kann, zu verlassen und
ins pralle Leben zu stürzen, das hat genau das richtige Maß an
Scheinheiligkeit, Geschmeidigkeit und Arroganz, dass es nicht ins
Klischee umkippt. Erst geht er noch gebückt, doch schnell ist er sicher
im aufrechten Gang, und da überragt er seinen Zögling Faust nicht nur
um Haupteslänge. Der Teufel weiß um seine Überlegenheit und kann ganz
genüsslich die Geschicke lenken.
Tim Ostens Faust ist ein Zauderer,
der sich in seiner Seelenpein windet wie ein Wurm. Wozu die Mühen, wenn
sich die Welt doch nicht erkennen lässt? Wenn dieser Wicht Mephistos
Ratschläge nicht hätte, wäre der schon hier am Ende. Die Leidenschaft
zu Gretchen reißt ihn zwar raus, und er spürt das Leben. Doch er
versagt wieder, auf ganzer Linie. Leider spielt sich Osten nicht frei,
ist permanent so angespannt, dass man seinen Faust kaum als das nimmt,
was er eigentlich ist - die Hauptfigur. Maria Richter dagegen ist ein
sehr berührendes Gretchen, jugendlich, frisch, ernsthaft auch und
absolut ergreifend in der Wahnsinnsszene im Kerker. Während sie selbst
in diesem Moment noch ihre Schuld am Tod des eigenen Kindes und der
Mutter reflektiert, schlägt Fausts Rettungsversuch fehl, und er taumelt
wieder seinem Verführer hinterher.
Menschen in ihren Grenzen, in
ihrer Fehlbarkeit, das erzählt Torsten Krug mit seiner Inszenierung,
die er sprachlich bei Goethe belässt, ansonsten aber weit ins Heute
holt. Überzeugend."
Uta Trinks, Chemnitzer Freie Presse
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2007/2008
Biedermann und die Brandstifter
Lehrstück ohne Lehre von Max Frisch
"Das Ensemble ist bestens aufgelegt. (...) Lange herrscht Stille nach der letzten Szene, doch dann gab es langen Beifall."
Chemnitzer Freie Presse
Agent im Spiel
von David S. Craig
Eine stabile Truppe, die schließlich auch der jungen Luise, Danis Mutter, dazu verhilft, sich ihrer eigenen prekären Lebenssituation zu stellen. Eine Episode, eher am Rande, die Katharina Voß mit anrührender Zartheit dem aufmerksamen Zuschauer als schauspielerische Delikatesse ins Gedächtnis schreibt.
Keiner ist hier der Looser."
Erika Stephan, Thüringer Allgemeine
"Großes Theater für Kleine im Rudolstädter Tumult.
Saschas
Vater gibt Urwaldlaute von sich, weshalb sich Sascha ein wenig für ihn
schämt. Dani, der neue Nachbarsjunge, der als Agent in geheimer Mission
unterwegs ist, möchte der Sache auf den Grund gehen. 'Der kann keine
Kinder leiden', gibt Sascha ihm als Warnung mit auf den Weg, worauf ein
Sechstklässler aus dem Publikum bemerkt: 'Selber 'n Kechel!'
Die
Szene ist rührend und symptomatisch zugleich, zeigt sie doch, wie die
Schüler (...) die Spielvereinbarung angenommen haben. Gabriel Kemmether
(Sascha) und Gregor Wolf (Dani), die da von einem Zwölfjährigen als
'Kegel' bezeichnet werden, haben beide die Mitte des dritten
Lebensjahrzehnts überschritten. Sie spielen die Jungen aber so perfekt,
daß sie als Gleichaltrige angenommen werden. (...)
Die
Inszenierung, die Torsten Krug und Nanni Marotzke auf die Bretter des
kleinen "Theater Tumult" auf die Bühne gebracht haben, ist ein
wundervolles Stück Theater mit ausgezeichneten Darstellern. Den
Sechstklässlern (...) war keine Sekunde langweilig, auch die wenigen
Erwachsenen zur Premiere (...) hatten einen Heidenspaß.
Das
Stück des Kanadiers David S. Craig ist sowohl für Schulklassen als auch
für einen Besuch in Familie geeignet. Papis sollten aber auf der Hut
sein. Wer sich auf das Spiel einläßt, muß damit rechnen, daß ihm vor
Rührung eine Träne durchs Knopfloch kullert. Vor aller Augen."
Thomas Spanier, Ostthüringer Zeitung
Getragen wird die Inszenierung vor allem durch die begabten Jungschauspieler, die sich überzeugend von der Komik zur Tragik, von der Stärke zur Schwäche, von der Realität zur Fantasie bewegen und sich überdies in der nur mit Umzugskisten gestalteten Bühne (Ausstattung: Nanni Marotzke) pudelwohl zu fühlen scheinen."
Stefanie Grießbach, Ostthüringer Zeitung
Männer
Liederabend von Franz WittenbrinkThüringer Allgemeine
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2006/2007
Stones
Jugendstück von Tom Lycos und Stefo Nantsou
Volker Hagedorn, DIE ZEIT
Erika Stephan, Thüringer Allgemeine
Ostthüringer Zeitung
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Die fetten Jahre sind vorbei
Schauspiel nach dem gleichnamigen Film von Hans WeingartnerFür die Bühne eingerichtet von Gunnar Dreßler
Chemnitzer Freie Presse
Chemnitzer Freie Presse
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2005/2006
Der einsame Westen
von Martin McDonaghChemnitzer Freie Presse
So wie Torsten Krug die krude Story inszeniert, erscheint das Raufen und Saufen bald so absurd, daß es zuweilen einem Comic-Strip ähnelt. Mit Situationen, die unglaublich scheinen. Mit überaus markanten Typen, die sich nicht entwickeln, allenfalls verstellen. Die aber dem derben Miteinander sogar herzerweichende Seiten abgewinnen. Und trotzdem bleibt es ein merkwürdiges Vergnügen, ihnen zuzuschauen.“
Stadtmagazin Streicher
starting point. Carlfriedrich Claus (UA)
Chemnitzer Freie Presse
2004/2005
Flüchtlingsgespräche
„Es ist ein
ziemlich harter Brocken, den sich Torsten Krug für sein Chemnitzer Regiedebüt gewählt
hat (...) - das Premierenpublikum am Samstag (...) jedoch sparte nicht mit
Beifall.“
„Insgesamt ein
gelungener Brecht-Abend, nicht zuletzt wegen der Lieder Hanns Eislers, die
Muriel Wenger als schöne Unbekannte hauchen durfte. Schnöde, zynisch, aber
niemals hoffnungslos.“
Chemnitzer
Freie Presse
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2003/2004
Du sollst nicht lieben
„Schaurig-traurig,
und viel Humor! Voller Erfolg: „Du sollst nicht lieben““
„Da glaubt man,
die Schauspielerin zu kennen, vermeint zu wissen, daß sie nicht nur eine gute
Stimme hat, sondern auch trefflich singen kann (...) - und dann kommt diese
verrückte Premiere vom Wochenende.“
„Verdienter
Beifall für Autor, Regisseur, Schauspieler!“
Norddeutsche
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1999
Mefausto. Goethes Faust in ursprünglicher Gestalt
nach Johann Wolfgang von GoetheAlso lamentiert Dr. Faust sein 'Habe nun ach...' in einer schwachen Minute vor den Studenten, die ihm zum Geburtstag ein Ständchen bringen. Mephisto dagegen läßt sich als ehrbarer Professor hofieren und verführt seine gelehrigen Studiosi hinter vorgehaltener Hand mit zweideutigen, schlüpfrigen Angeboten. Während Gretchen, als Putzfrau, die Lehrformeln - oder Leerformeln? - von der Tafel wischt.
(...) Schöne Bilder entstehen im Hörsaalrund, und wenn Gretchen wie in Trance ein spanisches Schlaflied für ihr totes Kind singt, ist 'Faust' nicht mehr nur ein deutsches Drama, sondern ganz einfach ein menschliches Drama."
Reutlinger Generalanzeiger
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